Regeländerungen 2016/17 – Interview mit SR-Lehrwart Fabian Melzer

Die neue Saison steht direkt vor der Tür und es gab in den letzten Tagen doch immer wieder, die ein oder andere Frage zu den von der IHF anfang des Jahres veröffentlichten Regeländerungen. Welche werden in welcher Spielklasse angewendet? Wie werden diese im Detail interpretiert. Im Interview erläutert Fabian Melzer Schiedsrichter-Lehrwart des Spielbezirk Nord und Spieler bei unseren TuS Männern die Änderungen.

 

Fabian, es gab kürzlich einige Änderungen am Handball-Regelwerk, worum geht es dabei?

Allgemein gesagt sind es Anpassungen, die erkannte Probleme am bestehenden Regelwerk lösen sollten. Ob die beschlossenen Maßnahmen sinnvoll sind, dass kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich persönlich finde es sind gute Ansätze dabei, aber auch Regelungen, die es nicht gebraucht hätte.

Welche Änderungen kommen denn konkret auf uns zu?

Von den großen Fünf, von denen immer die Rede ist, Passives Spiel, Blaue Karte, letzte 30 Sekunden, Verletzter Spieler und 7. Feldspieler, treffen uns nur vier. Es gibt aber auch weitere kleinere Veränderungen, die es sich zu wissen lohnt.

Welche der „Großen Fünf“ fällt weg?

Die Regelung, die besagt, dass ein Verletzter Spieler, der auf der Spielfläche behandelt werden musste, für drei Angriffe seiner Mannschaft auf der Bank pausieren muss, also ausgewechselt werden muss. Diese Regel findet nur im Profibereich Anwendung, heißt Liga 1-3, sowie Jugendbundesliga und DHB-Pokal.

Das Heißt im Umkehrschluss, dass die anderen Änderungen im Bezirksgebiet gelten. Welche Änderung erscheint dir am logischsten?

Die Änderungen haben alle Vor- und Nachteile. Ich bin persönlich jedoch Fan der Blauen Karte und der Neuregelung der letzten Spielminute.

Vielleicht kannst du die beiden Punkte näher erläutern…

Die blaue Karte ist ziemlich schnell und einfach erklärt. Sprechen die Schiedsrichter eine Disqualifikation mit Bericht aus, dann zeigen sie nach der Roten Karte eine Blaue Karte in der Nähe des Kampfgerichtes an. Eine Information der Mannschaftsverantwortlichen am Tisch entfällt somit. Hier wurden zuletzt viele Formfehler gemacht, die nun hoffentlich wegfallen.

Und die letzte Minute? Was ändert sich da?

Bislang gab es in der letzten Spielminute für einen Spieler oder Offiziellen der abwehrenden Mannschaft, der eine grobe Regelwidrigkeit begangen hat, um das erlangen einer Torgelegenheit zu verhindern, oder eine klare Torgelegenheit zu vereiteln eine Disqualifikation mit Bericht, die eine Spielsperre nach sich zog.

Das hat sich geändert. Zuallererst ist jetzt nicht mehr die letzte Minute, sondern nur noch die letzten 30 Sekunden relevant. Also wirklich nur noch die direkte Schlussphase des Spiels. Die Beurteilungskriterien für das Foul oder die Verhinderung einer Wurfausführung sind aber nach wie vor dieselben. Neu ist, dass der fehlbare Spieler/Offizielle nur noch eine „normale“ Disqualifikation erhält, sofern das Fehlverhalten an sich, nicht gemäß den Regeln 8:6 oder 8:10 a+b mit einer Disqualifikation mit Bericht zu ahnden ist. Darüber hinaus – und das ist auch neu – wird der nicht fehlbaren Mannschaft ein Strafwurf zugesprochen, sofern bei der Angriffsaktion kein Tor erzielt wurde. Ich denke durch dieses Risiko werden die Notbrems-Aktionen, bei denen man einen Spieler für zwei Punkte opfert abnehmen.

Kommen wir zum Passiven Spiel, auch hier gibt es eine Neuerung, die wie ich gehört habe nicht ganz so einfach ist.

Ich hatte mittlerweile bei zwei Turnieren die Möglichkeit diese Änderung für mich auszuprobieren und bin ganz erleichtert, dass es gar nicht so schlimm ist, wie ich dachte. Kurz zur Änderung: nach Anzeigen des Passiv-Vorwarnzeichens darf die angreifende Mannschaft nur noch maximal 6 Pässe spielen. Das klingt erstmal ganz einfach. Das traurige ist nur, dass die Schiedsrichter nachher die Einzigen in der Halle sind, die das Pässe-Zählen gelernt haben.

Siehst du hier Konfliktpotential?

Ich befürchte, dass in einigen Hallen das Publikum laut und falsch zählen wird. Gerade die Schiedsrichter, die noch unerfahren sind und sehr viel Konzentration für die Spielleitung an sich benötigen haben hier nochmals einen gewichtigen Rucksack aufgeschnallt bekommen. Schrittfehler, Doppeldribbling, Zeitfehler, Vergehen der Abwehr im Auge behalten und dazu noch Pässe zählen… Da wünsche ich mir von jedem Zuschauer und Trainer Verständnis.

Bleibt noch der 7. Feldspieler, um die fünf größeren Veränderungen abzuschließen.

Künftig muss ein Spieler, der für den Torhüter im Angriff eingesetzt wird, nicht mehr mit einem Leibchen als Torwart gekennzeichnet werden. Das hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist, dass jetzt nicht mehr nur der mit dem Leibchen gekennzeichnete mit dem Torwart zurückwechseln darf, sondern ein beliebiger Spieler auf dem Feld. Als Nachteil kann man sehen, dass wenn kein Torhüter, oder als Torhüter gekennzeichneter Spieler, auf der Fläche ist, der Torraum ungeschützt ist. Betritt i der Situation ein Spieler den Torraum um einen Ballabzuwehren, dann gibt es einen Strafwurf und eine progressive Bestrafung für den Spieler.
Eventuell wichtig zu wissen ist, dass die alte Variante mit dem Leibchen weiterhin erlaubt ist.

Wie sieht es mit dem 7. Feldspieler in der Jugend aus?

Die Frage tauchte auch schon beim erweiterten Schiedsrichterausschuss des HVSA auf, woraufhin in Absprache mit dem Jugendausschuss Festlegungen getroffen wurden. In der E-Jugend und D-Jugend wird die Regelung keine Anwendung finden. Hier ist es, laut DHB-Vorgaben, dem Torhüter nicht erlaubt über die Mittellinie zu gehen. Der tiefere Sinn dahinter ist, dass ja eine Personenbezogene Manndeckung gespielt wird, da wäre eine Überzahlsituation ungerecht und ist auch nicht gewünscht.

Für C-Jugend und B-Jugend gilt, dass das Spielen mit einem 7. Feldspieler möglich ist, aber unter der Beachtung, dass nur in Ballbesitz gewechselt werden  darf. Schafft es eine Mannschaft nicht rechtzeitig den Torwart wieder einzuwechseln, dann spielt die Mannschaft ohne Torhüter! Es empfiehlt sich also, wenn überhaupt, die Leibchen-Variante.

In der A-Jugend ist eine ganz normale Anwendung der Regeländerungen möglich, hier darf nämlich ab dieser Saison wie im Erwachsenenbereich gewechselt werden.

Das ist auch neu.

Ja, das gehört zu den anfangs angesprochenen kleineren Änderungen. Für die A-Jugend wurde die Wechsel-Einschränkung aufgehoben, sodass jetzt auch Spezialisten-Wechsel, sogenannte Angriff-Abwehr-Wechsel möglich sind.

Was ist für die Vereine und Mannschaften noch zu beachten?

Es ist schwer für mich jetzt genau zu sagen was für einzelne Mannschaften und Vereine relevant ist… Vielleicht gebe ich lieber allgemeine Hinweise. Zum einen gilt für sämtliche Spiele im Bezirk, dass die Offiziellen mit den entsprechenden Buchstaben (A, B, C und D) gekennzeichnet sind. Darüber hinaus, findet man zwar im neuen DHB-Regelwerk den Ball Größe 0 für die E-Jugend, doch in den Durchführungsbestimmungen steht eindeutig, dass im HVSA-Gebiet in der E-Jugend mit dem Ball Größe 1 gespielt wird. Abschließen möchte ich noch auf zwei Sachen hinweisen. Erstens Zeitnehmer und Sekretär haben bei der Technischen Besprechung anwesend zu sein. Zweitens ein Blick ins neue Regelwerk lohnt sich! Insbesondere auch die Seiten zu erlaubten und nicht erlaubten Gegenständen.

Vielen Dank für das informative Gespräch! Hast du zum Abschluss noch einen Wunsch für die neue Saison?

Sehr gern. Ich wünsche mir vor allem Nachsicht. Auch für die Schiedsrichter sind die Regeländerungen etwas Neues und es wird Zeit brauchen, bis alle Abläufe in Routine übergehen. Allen Mannschaften kann ich nur eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison wünschen und dass sie ihre gesteckten Ziele erreichen!

Quelle: HVSA http://www.hvsa.de/2016/08/31/interview-zu-den-neuerungen-im-regelwerk-und-auswirkungen-auf-den-spielbetrieb/

Saisoneröffnung 201617