9. Spieltag Verbandsliga Nord 2018/19

TuS 1860 Magdeburg-Neustadt – LSV 90 Klein Oschersleben

29:24 (14:15)

„Heureka! Es ist vollbracht!“

Ich schau mich um. Skeptisch schweift mein Blick von links nach rechts. Was ich da sehe, wage ich kaum in Worte zu fassen. Überall um mich herum lachende Gesichter. Ich schau mich nochmals um, suche leicht verkrampft nach dem Fehler im System. Da bemerke ich die Anzeigetafel. In Richtung meiner Bank zeigt eine 29, zur gegnerischen Gästebank nur eine 24. Soll das wirklich möglich sein? Plötzlich wird die Anzeigetafel verdeckt – Shakehands der Trainer. Nur hat unser Coach heute dieses gewisse „Siegergesicht“ aufgesetzt. Diese verschmitzte Mischung aus Konzentration, Respekt und unendlicher Genugtuung des Sieges wegen, welche ein Lächeln erzeugt, was krampfhaft zu unterdrücken versucht wird. Die ersten Mitspieler laufen an mir vorbei und bilden einen Kreis, reißen mich förmlich mit sich und dann merke auch ich: Ja, das ist kein Traum! Wir haben gewonnen!!

So oder so ähnlich könnten sich einige von uns am Sonntag nach dem Abpfiff gegen den LSV 90 Klein Oschersleben gefühlt haben.
Wir geben zu, der Sieg war ein absoluter Pflichtsieg. Doch in der momentanen Situation ist nichts selbstverständlich. Neben der Umgewöhnung an die Gegebenheiten der neuen Halle (nein, wir schlagen jetzt keine erneuten Tiraden gegen das Verbot von Haftmitteln!) fehlen uns immer wieder elementare Spieler zu einzelnen Partien, was die momentane Situation nicht rechtfertigen soll, aber leider auch nicht zum Positiven beiträgt.
Die Summation der Dinge führte in den letzten Wochen dazu, dass spätestens in der zweiten Halbzeit bei uns der Faden gerissen und der Anschluss zum Gegner verloren wurde. Im zurückliegenden Spiel gegen Klein Oschersleben war das jedoch der Nährboden für ein Zusammenrücken in der Mannschaft. Fehlende Alternativen führen irgendwann dazu, dass man akzeptiert, was nicht zu verhindern ist und das Beste daraus macht.
An der Stelle muss erwähnt werden, dass wir hier auf sehr hohem Niveau meckern. Zuletzt sind wir zwar ersatzgeschwächt aber immer mit mindestens neun Leuten aufgelaufen. Im Spiel gegen den LSV 90 war es dann zusätzlich die Unterstützung von Kai Thiem und Christian Nestler aus unserer zweiten Mannschaft und ein Comeback des eigentlich im „Handballruhestand“ befindlichen Sven Micheal, welche uns beflügelte!

In der ersten Halbzeit jedoch taten wir uns nach wie vor schwer. Irgendwie merkte man an allen Ecken und Enden, dass das Selbstbewusstsein derzeit nicht allzu hoch an den TuS-Bäumen hängt!
Nach einer 1:0-Führung unsererseits war innerhalb der ersten 30 Minuten dann Oschersleben die stets in Front liegende Mannschaft.
In einem sehr niveauarmen Spiel hieß es für uns, über die Stationen 3:3, 5:5, 8:10, 12:12 und schließlich zum Halbzeitpfiff beim 14:15 den Bezug zum Spiel nicht zu verlieren.
Eine Situation, in der wir uns vor einigen Wochen noch gegenseitig zerfleischt hätten, die uns heute aber durchaus bekannt ist und uns für die zweite Spielhälfte die nötige Motivation verschaffte. Man lernt eben aus seinen Erfahrungen!

Mit der Gewissheit, dass eine weitere Niederlage wohl den Absturz für uns bedeuten würde und einer gehörigen Portion Mut und Leidenschaft, starteten wir furios in die zweite Halbzeit.
Aus einem 14:15-Rückstand wurde eine 18:15-Führung. Diese Führung nochmal aus der Hand zu geben, kam uns nicht in den Sinn und doch wurde es nochmal eng. Bis zur 45. Minute rückten die Gäste beim 21:20 nochmal auf ein Tor heran. Der bisher in dieser Saison „normale“ Verlauf hätte bedeutet, dass dieses Spiel in dieser Situation zu Gunsten des LSV 90 gekippt wäre. Doch dieses Mal sollte es anders kommen. Max Feller lief nach zunächst schwachem Beginn zur Höchstform auf. Als wenn er es nicht auf sich sitzen lassen wollte, einfache Würfe an sich vorbeifliegen zu lassen, vernagelte er die letzten 15 Minuten seinen Kasten und war ein wichtiger Erfolgsgarant. Neben einer starken Torhüterleistung drehte Erik Lewin weiter im Angriff seine Kreise und wurde in den letzten 15 Minuten durch den wiedergenesenen Tino Kirsten und die besonders agilen Stefan Heinrichs und Marco Käselitz tatkräftig unterstützt.

Wenn hier nur vier Namen Erwähnung finden, bedeutet das nicht, dass der Rest der Mannschaft nicht seinen Teil zum Sieg beigetragen hätte. Der Erfolg gegen Oschersleben begann mit der Unterstützung aus unserer „Zweiten“, ging über in die ständige Motivation von unserer Bank aus gesehen und mündete im Torerfolg durch wen auch immer!

Mit dieser Leistung kann der Blick nach vorn gerichtet werden. Diesen Erfolg gilt es, als Energydrink für das Selbstbewusstsein zu nutzen. Diese zwei Pluspunkte sind wichtig im Kampf gegen den Abstieg!
Mit einer solch couragierten Leistung, die in Halbzeit #2 gezeigt wurde, können auch andere Gegner geschlagen werden.
Vielleicht ja direkt im nächsten Spiel ein weiterer Tabellennachbar, wenn es zur zweiten Vertretung des HV Rot-Weiß Staßfurt geht.
Wir werden alles dafür tun, auch in der Ferne einen Sieg einzufahren!

In diesem Sinne:
1…2…3…Zackebarsch!!!
Für die Statistikfans:
TuS: Strauß, Feller (Tor), Lewin (10), Heinrichs (6), Ebel (1), Lindert (1), Weder, Käselitz (6), Michael, Marek, Meyer (1), Kirsten (4), Schmelzer